NEUIGKEITEN
Vermeidbare unerwünschte Arzneimittelwirkungen: ein bedeutender, oft unterschätzter Kostentreiber im Gesundheitswesen
Forschungseinblick
Unerwünschte Arzneimittelwirkungen (UAW) stellen weltweit eine erhebliche, jedoch häufig unterschätzte Belastung für Gesundheitssysteme dar. Studien zeigen, dass etwa jede zehnte Krankenhauseinweisung auf unerwünschte Arzneimittelwirkungen zurückzuführen ist – und damit zu den häufigsten medikationsbedingten Ursachen für Hospitalisierungen zählt.
Neben den klinischen Folgen verursachen UAW auch erhebliche wirtschaftliche Kosten.
13.4.2026

Die IATROSTAT-ECO-Studie untersuchte die Kosten von Krankenhausaufenthalten, die durch unerwünschte Arzneimittelwirkungen verursacht wurden. In der untersuchten Population verursachten etwa 200 UAW-Patienten Gesamtkosten von rund 1,17 Millionen Euro, was den erheblichen Ressourcenverbrauch dieser Ereignisse verdeutlicht.
Die durchschnittlichen Kosten pro UAW-bedingter Krankenhauseinweisung lagen bei etwa 5.000–6.000 Euro, wobei einzelne Fälle – je nach Schweregrad und Dauer des Krankenhausaufenthalts – zwischen 600 Euro und 27.000 Euro lagen.
Hochgerechnet auf nationale Gesundheitssysteme werden die finanziellen Auswirkungen erheblich.
Ein großer Anteil der UAW wäre vermeidbar
Wichtig ist, dass nicht alle unerwünschten Arzneimittelwirkungen unvermeidbar sind. Die Studie schätzt, dass etwa 15 % der UAW auf Grundlage der Einschätzung der Forschenden als vermeidbar eingestuft werden können. Dies zeigt ein erhebliches Potenzial, sowohl die Patientensicherheit als auch die Effizienz des Gesundheitswesens zu verbessern.
Vermeidbare UAW entstehen häufig durch Faktoren wie:
- Arzneimittel-Wechselwirkungen
- ungeeignete Dosierungen
- patientenspezifische Risikofaktoren
- unzureichendes Monitoring
- Polypharmazie bei Hochrisikopatienten
Die Reduzierung dieser Risiken erfordert systematische Ansätze zur Arzneimittelsicherheit sowie einen besseren Zugang zu klinisch relevanten Arzneimittelinformationen direkt am Behandlungsort.
Wirtschaftliche Auswirkungen auf nationaler Ebene
Das Ausmaß der wirtschaftlichen Belastung wird noch deutlicher bei nationalen Schätzungen.
DieIATROSTAT-ECO-Studie schätzt, dass Krankenhausaufnahmen aufgrund von UAW in Frankreich jährlich rund 1,3 Milliarden Euro kosten.
Überträgt man diese Schätzungen auf Österreich mit rund 9 Millionen Einwohnerinnen und Einwohnern, ergibt sich eine jährliche Belastung von etwa 170–180 Millionen Euro an Krankenhauskosten, die auf UAW zurückzuführen sind. Davon könnten schätzungsweise 25–30 Millionen Euro vermeidbar sein.
Selbst moderate Reduktionen der UAW-Häufigkeit könnten daher erhebliche Einsparungen ermöglichen.
Zum Beispiel: Die Vermeidung von 1.000 UAW-bedingten Krankenhausaufnahmen pro Jahr könnte rund 6 Millionen Euro an Krankenhauskosten einsparen.
Diese Zahlen berücksichtigen noch nicht zusätzliche Vorteile wie geringere Wiederaufnahmen, eine höhere Produktivität des medizinischen Personals sowie bessere Behandlungsergebnisse für Patientinnen und Patienten.

Prävention verbessert Sicherheit und Effizienz
Angesichts zunehmender Herausforderungen durch alternde Bevölkerungen, komplexere Therapien und zunehmende Polypharmazie wird die Prävention von UAW immer wichtiger.
Zu den wichtigsten Präventionsmaßnahmen gehören:
- systematische Medikationsüberprüfungen
- Identifizierung von Hochrisikopatienten
- engmaschige Überwachung komplexer Arzneimitteltherapien
- Verbesserung klinischer Entscheidungsunterstützung bei der Arzneimitteltherapie
In der Praxis bedeutet die Prävention unerwünschter Arzneimittelwirkungen nicht nur mehr Patientensicherheit. Sie ist auch ein wirkungsvoller Weg, die Effizienz des Gesundheitssystems zu verbessern, indem vermeidbare Krankenhausaufnahmen reduziert und wertvolle klinische Ressourcen geschont werden.
Unterstützung sicherer Therapieentscheidungen
Medbase stellt wissenschaftlich validierte und klinisch relevante Arzneimittelinformationen bereit, die medizinisches Fachpersonal dabei unterstützen, sicherere Therapieentscheidungen zu treffen.
Durch die Integration hochwertiger Arzneimittelinformationen direkt in klinische Systeme und Arbeitsabläufe hilft Medbase, Medikationsrisiken frühzeitig zu erkennen und sicherere Arzneimitteltherapien zu unterstützen.
Die Verbesserung der Arzneimittelsicherheit erfordert sowohl klinische Expertise als auch zuverlässige Informationen. Wenn diese direkt am Point of Care verfügbar sind, können Gesundheitsfachkräfte unerwünschte Arzneimittelwirkungen deutlich besser verhindern.
Letztlich ist die Prävention unerwünschter Arzneimittelwirkungen kein zusätzlicher Kostenfaktor, sondern eine wirtschaftlich sinnvolle Investition,die sowohl die Patientensicherheit als auch die Nachhaltigkeit von Gesundheitssystemen verbessert.
Literatur
- Laroche ML et al. Economic burden of hospital admissions for adverse drug reactions in France: The IATROSTAT-ECO study. Br J Clin Pharmacol. 2025.